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Über den Autor

Geboren wurde ich am 1.12.1951 in Essen. Dort besuchte ich von 1958 - 1966 die Volksschule und begann dann im selben Jahr eine kfm. Lehre, die ich 1969 erfolgreich beendete. Nach einigen beruflichen Veränderungen, in den 1970er Jahren arbeitete ich über einen langen Zeitraum bei einer deutschen Großbank als Sicherheitsfachkraft im „direkten Personenschutz“ - heute heißt das auf neudeutsch Bodyguard - und danach als EDV Fachkraft im Rechenzentrum der gleichen Bank, machte dann aber 1987 den „Aussteiger“. Die Liebe zur Natur, die mir sozusagen seinerzeit mit in die Wiege gelegt worden war sorgte dafür, dass ich bei einem Wasser- und Bodenverband einen Arbeitsvertrag als Talsperrenmeister unterschrieb. Mit „Sack und Pack“ übersiedelte ich kurzerhand in`s bergische Städtedreieck Remscheid, Radevormwald, Hückeswagen und bezog mit meiner Familie an „den Ufern“ der Wupper – Talsperre, mitten im Herzen des Bergischen Landes, eine geräumige Dienstwohnung mit angrenzendem großen Garten. Eine mehr als gute Voraussetzung für die Aufnahme eines neuen Familienmitgliedes - einen Hund. Und wie bei allem was ich bisher machte und tat in meinem Leben, hatte ich auch hier meine festen Vorstellungen über Rasse, Standard usw. unseres neuen Hausgenossen. Ein „Neufundländer“ sollte es sein. Warum ??? Um diese Frage zu beantworten, muss ich kurz zurück bis in die 1950er Jahre.

Von frühester Kindheit an, fühlte ich mich zu Hunden hingezogen. Mit meinem Großvater durchstreifte ich fast täglich die Wälder im schönen Essener Süden und wann uns auch immer ein Hund mit seinen Menschen begegnete so musste ich hin zu ihm, musste ihn anfassen, streicheln, ihm die Ohren kraulen. Es war fast wie ein innerer Zwang. Dann kam der Tag, den ich im Leben nicht vergessen werde und der in meinen Erinnerungen noch so frisch ist, als hätte ich erst gestern erlebt, was mich wohl nachhaltig bis zum heutigen Tag geprägt hat: Es war ein schöner Spätsommertag. Opa und ich schlenderten gemütlich die Promenade am Baldeneysee entlang. Dabei sahen wir den vielen Seglern zu, die geschickt den Wind nutzend mit prallen Segeln, die Wasseroberfläche durchkreuzten. Es waren nicht viele Menschen unterwegs an diesem Tag, einige Radfahrer fuhren an uns vorbei und eine geringe Anzahl von Anglern säumten die Uferböschung des idyllisch gelegenen See`s, in der Hoffnung auf den großen „Biss“. Da wurde es vor uns im Wasser lebendig. Beim näheren Hinsehen entdeckten wir einen Hund, der mit kräftigen Schwimmstößen dem Ufer zustrebte an dem ein Ehepaar mittleren Alters mit Zurufen versuchte die Aufmerksamkeit des einsamen Schwimmer`s auf sich zu lenken. Im Maul, ich konnte es ganz gut erkennen, transportierte der Hund einen riesigen Ast, der wohl als Treibgut im Wasser geschwommen hatte. Neugierig traten wir näher heran, gespannt darauf, ob der Hund es schaffen würde dieses gewaltige Relikt aus dem Reich Deutscher Mischwaldbestände an`s Ufer und dann hinauf zur Promenade zu seinen wartenden Menschen zu tragen. Wenig später hatte er die glitschige Steinschüttung der Uferböschung erreicht und zog sich nun langsam, wie im Zeitlupentempo aus dem Wasser empor und landete dann nach 2 Riesensprüngen unmittelbar vor uns auf der Asphaltdecke. Uff, das war ja mal ein Ding, so dachte ich und sah nun direkt vor mir einen Riesenhund. Den Ast - wohl als Beute - zwischen Ober und Unterkiefer fest im Griff, sah er mich aus gutmütigen braunen Augen an, während sich das aus seinem Fell ablaufende Wasser unter ihm, zu einer großen Pfütze sammelte. Es war schon seltsam, obwohl mir der Hund auf Augenhöhe gegenüber stand, verspürte ich weder Angst noch Schrecken, was eigentlich bei nicht wenigen Kindern vorkommt, die von einer Sekunde auf die andere einer solchen Situation gegenüberstehen. Mein Opa beugte sich lächelnd zu mir hinunter, nahm mich bei der Hand und sagte leise: „Vor dem Hund brauchst du keine Angst haben „Jüngelchen“ - Opa nannte mich immer so - das ist ein Neufundländer, der tut keinem was und außerdem, so sagt man ihm jedenfalls nach, liebt er Kinder über alles. Am Meer werden diese Hunde als Lebensretter für in Seenot geratene Menschen eingesetzt. Die ziehen ganze Boote aus dem Wasser um die Besatzungen zu retten, tauchen bis zu 3 Meter tief und holen von da Ertrinkende an die Wasseroberfläche zurück und außerdem ….“ Ach ja, Opas können herrlich spannende Geschichten erzählen und stehen aber nicht nur deswegen bei ihren Enkeln hoch im Kurs.

Fast 30 Jahre später: Gemütlich plaudernd sitzen meine Frau und ich, bei einer Tasse Kaffee - Stückchen Obsttorte mit Sahne darf natürlich nicht fehlen, ein echter Deutscher Sonntagnachmittag - bei Reinhard und seiner Lebensgefährtin auf dem „Diwan“ und schwelgen dabei in Erinnerungen. Reinhard ist ein alter Kumpel von mir - nach der Schulzeit hatten wir uns leider wie es oft so ist aus den Augen verloren. Vorige Woche trafen wir uns nach fast 20 Jahren zufällig in der Stadt und verabredeten uns für heute um alte Erinnerungen und Erlebnisse von früher noch einmal aufleben zu lassen. Unsere Damen saßen dabei etwas gelangweilt im Hintergrund, waren doch diese alten Geschichten und Anekdoten aus einer Zeit in der wir - also Reinhard und ich - mit noch anderen Gesinnungsgenossen, wie es so schön heißt, über Tische und Bänke gingen. Zu fortgeschrittener Stunde, die Damen hatten nun doch noch ein gemeinsames Thema gefunden und die Kaffeetassen hatten, wie es halt so ist, bei uns Männern den Cognacschwenkern fast übergangslos Platz gemacht, flog urplötzlich die Wohnzimmertür mit einem lauten Knall gegen die dahinterliegende Zimmerwand. Die Gespräche verstummten mitten im Satz und unsere Blicke richteten sich mit einigem Erschrecken auf das gewaltsam geöffnete Verschlussorgan des Zimmers. Ein neuer Gast betrat den Raum, bei dessen näherem Hinsehen mir der Atem stockte. Ein Hund, fast so groß wie ein Bär, stand im Türrahmen und wedelte freundlich verhalten mit der Rute. Das schlichte, schwarze Fell vermittelte einen gepflegten Eindruck und die großen Schlappohren verliehen seinem Gesicht ein hohes Maß an Freundlichkeit. Reinhard hatte sich als Erster gefasst, er lachte über das ganze Gesicht: „Hey Balou, komm rein hier und begrüße unseren Besuch!“ Und zu uns gewandt: „Ihr habt doch keine Angst vor Hunde oder? Das ist Balou ein waschechter Neufundländer und gehört seit über 2 Jahren zu unserer Familie.“ Ehe meine Frau und ich etwas sagen konnten, hatte sich der Hund durch die Sitzreihe von Sessel und Couch gedrängt und stand nun in seiner ganzen Pracht und Größe vor meiner mehr als überraschten Frau und mir. Wir staunten nicht schlecht, meine Güte, war das eine „Granate“. Uns aufmerksam taxierend ließ sich Balou nun wie im Zeitlupentempo auf die Hinterhand nieder und schaute uns mit leicht schräg gehaltenem Kopf geradewegs in die Augen - mein Gott, was für ein Tier. Der Blick seiner sanften, braunen Augen war mit so viel Freundlichkeit und Zutrauen auf uns, die für ihn Fremden gerichtet, dass wir einfach nicht umhin kamen seinen schönen Kopf abwechselnd zu streicheln und das, was für einen Hund ganz wichtig ist, die Ohren zu kraulen. Das gefiel ihm offenbar so gut, dass er sich kurzerhand entschloss mit auf der Couch sitzen zu wollen und ehe wir uns versahen, saß der Riesenhund auch schon zwischen uns und leckte mir voller Begeisterung erst über`s Gesicht und danach hingebungsvoll beide Ohren.

Was soll ich weiter erzählen, wir wurden natürlich beste Freunde und verbrachten 3 lange Jahre zusammen fast jedes Wochenende miteinander. Dabei unternahmen wir lange Wanderungen und Spaziergänge im landschaftlich schön gelegenen Essener Süden. In dieser langen Zeit haben wir viel voneinander gelernt. Ich verschaffte mir einschlägige Literatur rund um den Hund und begann somit ein Studium der besonderen Art. Kumpel Reinhard war das ganz recht, denn der hatte begonnen an seiner ersten „Million“ zu arbeiten. Da ein jeder weiß, dass die erste immer die schwierigste ist, stand der Hund ihm mehr oder weniger im Wege - das ist jetzt nicht unbedingt abwertend gemeint, trifft aber im Kern der Sache schon zu. Im Jahre 1989 trennten sich dann leider unsere Wege. Berufliche Veränderungen zwangen mich zu dieser schmerzhaften Entscheidung. Das Zusammenleben mit diesem einzigartigen Hundecharakter hatte uns viel gebracht und darüber hinaus geleert, dass ein Hund nicht nur eine Sache oder ein Hobby sein kann, dass man nach Gebrauch in irgendeine Ecke abstellt. Vielmehr ist die Hundehaltung eine Passion, also eine Leidenschaft, die der Mensch in die Wiege gelegt bekommt. Dazu gehört u. a. und das ist das Wichtigste überhaupt, dass auf seine Neigungen und Bedürfnisse eingegangen wird und das ihm im Krankheitsfall die bestmögliche, medizinische Versorgung zuteil wird.

Wir übersiedelten also, wie eingangs schon erwähnt, in`s Bergische Land. Es dauerte keine 2 Wochen da tummelte sich ein brauner Neufundländer-Welpe in Haus und Garten unserer neuen Wahlheimat. Wir nannten ihn, wer kann es uns verdenken, natürlich „Balou“ zum Andenken an den Hund, der uns in unserer alten Heimat so viel Freude bereitet hatte. Heute, wir schreiben das Jahr 2012, bin ich seit einem halben Jahr im wohlverdienten Ruhestand. Wir leben in einer kleinen Wohnung mit Terrasse und großem Garten hinten dran - hundegerecht nennt man das - und selbstverständlich begleitet uns immer noch ein Neufundländer auf unseren täglichen Spaziergängen und Wegen.

Im Laufe der letzten 23 Jahre haben 5 Neufundländerhunde bei uns ein neues Zuhause gefunden. Vier von ihnen sind bereits den Weg über die Regenbogenbrücke gegangen, in dieses wunderschöne Tal in dem es weder Krankheit noch Leid, noch Hunger und Durst gibt.

Irgendwann, eines Tages werde auch ich den Weg dorthin antreten mit der klaren Gewissheit, meine treuen Begleiter von einst dort wieder in die Arme schließen zu dürfen. Und dann wird uns nichts mehr trennen können - bis in alle Ewigkeit.

Klaus Winter Im Herbst 2012